Gut vorbereitet auf die Stillzeit: Stillen und Stillvorbereitung

Stillen und Stillvorbereitung
Hebammen sind die wichtigsten Fachfrauen rund um das Stillen und alternative Formen der Säuglingsnahrung. Durch ihre intensive Begleitung während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett kennen sie die individuelle Situation von Mutter und Kind und können auch persönliche Lebensumstände in ihre Einschätzung einbeziehen. Dieses ganzheitliche Verständnis ermöglicht es ihnen, gezielte Lösungswege zu finden, um Mütter bei Stillproblemen bestmöglich zu unterstützen.
Worauf es beim Stillstart und Stillen ankommt
Unabhängig davon, welche Begriffe im Internet kursieren oder welche neuen Methoden rund um das Stillen angepriesen werden, kommt es letztlich immer auf die grundlegenden Dinge an: eine gute Anlegetechnik, einen achtsamen Umgang mit sich selbst und dem Neugeborenen, das Hineinfinden in einen zunächst ungewohnten und manchmal chaotischen Tagesrhythmus sowie die körperlichen Veränderungen, die mit der Stillzeit einhergehen.

Wir begleiten dich durch die Stillzeit.
Während der gesamten Stillzeit bist du nicht allein – auch über den Stillbeginn hinaus und bis zum Ende des ersten Lebensjahres stehen wir dir zur Seite.
Ob Fragen zum Stillen, Veränderungen im Stillverhalten oder akute Brustentzündungen: Wir begleiten dich mit unserem Fachwissen und unserer Erfahrung. Eine intensive Stillvorbereitung bereits während der Schwangerschaft kann dir helfen, gut vorbereitet in die Stillzeit zu starten und die Grundlage für eine erfüllende und möglichst lange Stillbeziehung zu schaffen.

Schon in der Schwangerschaft stellt sich deine Brust auf die Stillzeit ein
Bereits während der Schwangerschaft bereitet sich die Brust auf das Stillen vor. Das Drüsengewebe entwickelt sich, die Brust kann größer und empfindlicher werden. Auch die Brustwarzen (Mamillen) und der Brustwarzenvorhof (Areola) können sich verändern. Die sogenannten Montgomery-Drüsen rund um den Brustwarzenvorhof bilden ein schützendes Sekret, das unter anderem dabei hilft, dem Baby den Weg zur Brust zu weisen.
Eine besondere Pflege der Brust ist in der Regel nicht notwendig. Sanftes Waschen reicht völlig aus. Bei invertierten Brustwarzen (Schlupfwarzen) oder tubulären Brüsten kann es sinnvoll sein, sich bereits während der Schwangerschaft individuell beraten zu lassen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich schon vor der Geburt auf das Stillen vorzubereiten.

Die Milchbildung und ihre natürlichen Veränderungen
Nach der Geburt beginnt die Milchbildung. Hormone und das Saugen des Babys an der Brust regen diesen natürlichen Prozess an. Zu Beginn bildet der Körper das sogenannte Kolostrum – die erste, besonders wertvolle Muttermilch. Sie ist sehr nährstoffreich, enthält wichtige Abwehrstoffe und ist genau auf die Bedürfnisse des Neugeborenen abgestimmt.
In den ersten Tagen nach der Geburt verändert sich die Zusammensetzung der Milch nach und nach, bis sie schließlich in die reife Muttermilch übergeht. Auch danach bleibt sie nicht immer gleich: Sie passt sich an das Alter und die Entwicklung des Kindes an und kann sich sogar im Laufe einer einzelnen Stillmahlzeit verändern.

Anlegen, Stillpositionen und Stillen nach Bedarf
Wenn es Mutter und Kind gut geht, kann das Baby bereits kurz nach der Geburt zum ersten Mal angelegt werden. Eine bequeme Stillposition, in der sich beide wohlfühlen, erleichtert den Einstieg. Verschiedene Stillpositionen können gemeinsam ausprobiert werden. Auch ein Stillkissen kann dabei hilfreich sein.
Wichtig ist, auf die Hunger- und Trinkzeichen des Babys zu achten und es nach Bedarf anzulegen. Gerade in den ersten Lebenstagen trinken Neugeborene häufig und in unterschiedlichen Abständen. Etwa 8 bis 12 Stillmahlzeiten innerhalb von 24 Stunden sind dabei üblich. Das entspricht ungefähr alle zwei bis drei Stunden, wobei die Abstände durchaus variieren können. Einen festen Zeitplan braucht es in der Regel nicht.
Ist ein Baby sehr schläfrig oder nimmt stärker an Gewicht ab, kann es notwendig sein, es zum Stillen zu wecken. Wie häufig das sinnvoll ist, besprichst du am besten mit deiner Hebamme oder dem medizinischen Fachpersonal.
Eine gewisse Gewichtsabnahme nach der Geburt ist zunächst normal. Die weitere Gewichtsentwicklung wird bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beobachtet, um sicherzustellen, dass sich dein Baby gut entwickelt.

Milcheinschuss und die richtige Brustpflege
Einige Tage nach der Geburt setzt meist der Milcheinschuss ein. In dieser Zeit kann sich die Brust vorübergehend sehr voll und gespannt anfühlen. Diese sogenannte initiale Brustdrüsenschwellung lässt sich häufig durch regelmäßiges Anlegen und eine gute Stillposition lindern. Nach dem Stillen können kühlende Maßnahmen wie Quarkauflagen dabei helfen, die Brust zu entlasten.
Auch die richtige Brustpflege spielt in dieser Zeit eine Rolle. Schonende Maßnahmen wie Lanolin oder Silberhütchen können bei empfindlichen oder beanspruchten Brustwarzen unterstützend sein. Bei anhaltenden Schmerzen, wunden Brustwarzen oder Schwierigkeiten beim Stillen sollte eine Hebamme die Situation fachlich beurteilen. Auch ein verkürztes Zungenband kann das Saugen des Babys erschweren und sollte bei entsprechenden Auffälligkeiten abgeklärt werden.
Für stärker verletzte Brustwarzen empfehlen wir eine Laser-Therapie, die von unserer Kollegin Manuela Bichler durchgeführt wird.
Still-BHs und Stilleinlagen sowie praktische Stillkleidung können den Alltag erleichtern.
Wenn Stillen an der Brust nicht möglich ist
Nicht immer ist es möglich, das Baby direkt an der Brust zu stillen. In solchen Situationen kann es hilfreich sein, Muttermilch durch sanftes Ausstreichen oder mit einer Milchpumpe zu gewinnen – beispielsweise, wenn Mutter und Kind vorübergehend getrennt sind oder das Stillen zunächst nicht möglich ist.
Die abgepumpte Muttermilch kann anschließend auf unterschiedliche Weise gegeben werden, zum Beispiel mit einem Fingerfeeder-System oder einer Babyflasche mit Sauger. Dabei spielen die individuellen Bedürfnisse des Kindes und die passende Art der Milchgabe eine wichtige Rolle
Die Verwendung einer Babyflasche kann insbesondere in der Anfangszeit das Stillen ungünstig beeinflussen. Deshalb ist es sinnvoll, die passende Form der Milchgabe bewusst zu wählen und sich bei Bedarf individuell beraten zu lassen.

Hebamme

Eva Lobis

Ines Ferstera
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